Gedichte von Kaváfis in deutscher Übersetzung von Jorgos Kartakis und Jan Kuhlbrodt

Aus meinen Worten und Taten wird / nicht auf mich zu schließen sein. / Sie verdeckten und verwandelten / mein Handeln und die Art meines Seins. / Sie hinderten mich auszusprechen und oft / verbargen sie das, was ich sagen wollte. / Nur in meinen unbekannten Taten / und in meinen unentdeckten Schriften / bin ich zu erkennen.

Mit »Im Verborgenen: Hidden Poems« erscheinen erstmalig Gedichte von Kaváfis, wohl einer der einflussreichsten neugriechischen Dichter des 20. Jahrhunderts, in deutscher Übersetzung von Jorgos Kartakis und Jan Kuhlbrodt, die Kaváfis zu seinen Lebzeiten versteckte. Diese Gedichte, die u. a. seine Homosexualität offen thematisieren, versteckte Kaváfis in Schubladen und Schränken seiner Freunde, seiner Liebhaber. Sie fanden keine Aufnahme in die deutsche Gesamtausgabe, da sie in Griechenland erst Anfang der Neunzigerjahre veröffentlicht wurden.

Kaváfis’ Texte zeugen von großer Liebes- und Leidensfähigkeit. Sie sind gleichzeitig ein Dokument gesellschaftlicher Ächtung von Homosexualität zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In seinen Gedichten zeigt Konstantínos Kaváfis Größe und Freiheit: Er nimmt die unabgeschlossenen Emanzipationsbewegungen des 20. Jahrhunderts vorweg. Denn das Verbergen ist zugleich ein Offenbaren: Die Texte waren geschrieben und somit in der Welt.

Illustriert ist dieser Band von Anja Nolte. Die Illustrationen stellen sich den Texten Kaváfis’ und interpretieren sie neu. Im engen Austausch mit den Übersetzern hat Anja Nolte eine eigene Bildsprache für diesen Band entwickelt: Die Illustrationen stellen Transformationen der Texte dar, Überführungen in einen kontemporären Kontext.

Am 20.10. ist Jorgos Kartakis Teil des Panels “Brückenbauer”, gemeinsam mit Adrian Kasnitz (DE), Jan Kuhlbrodt (DE) und Elena Pallantza (DE/GR)


Text entnommen von: Verlagshaus Berlin